Fotos von Caroline Heider

Arbeit von Ankauf Heider, siehe Beschreibung nachstehend

Like Models Georg Nr.2, Nr.5, C-Print gefaltet, 100x70 cm, 2008, >© Caroline Heider, BMUKK

"Caroline Heiders Konzept der Fragmentierung unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Praxis der KünstlerInnen, die wir als eine Art imaginärer Ahnenreihe von Hans Bellmer bis Annegret Soltau, von Imre Kertesz bis Candice Breitz aufzählen könnten, die tatsächlich mit Puppen oder Bildern Körperteile vereinzelten und "falsch" zusammensetzten. Nicht der Schnitt mit seiner definitiven Vereinzelung und den darin implizierten Möglichkeiten der willkürlichen Neu-Gruppierung der Körperstücke bzw. deren Bilder ist es, mit dem Heider der Fotografie zusetzt. Statt dessen faltet sie das Lichtbild, nichts wird tatsächlich abgetrennt. Ein Teil des Bildes (und damit des darauf abgebildeten Leibes) verschwindet einfach in der Falte, wird dem Blick entzogen wie hinter einem Wandvorsprung im Raum – und ein wesentlicher Aspekt dabei ist auch diese entstehende Räumlichkeit, ist der Schatten, der sich zwischen Fotopapier und Fotopapier einnistet und der damit die Materialität der fotografischen Abbildung ihrer (durch eben die Falte gestörten) Reproduktionsfunktion programmatisch zur Seite stellt. Oder vielleicht im wörtlichen Sinn: Diese beiden stets latenten Möglichkeiten der Fotografie zur Überlagerung, zur Deckung bringt. Knick und Gegenknick betreffen unweigerlich beides, fotografisches Material und fotografisches Abbild. Das gewohnte Kontinuum der Oberfläche wird nicht nur unterbrochen, sondern auch in eine vordere und eine dahinter liegende Partie geschichtet. Und das Motiv spaltet sich in Sichtbares und Nicht-Sichtbares. (...) Die "Falte" schreibt sich ein in die Materie der Fotografie und greift zugleich den Körper an, wirkt als Zeichnung und Zeichen- Caroline Heider verweist nicht zufällig auf Gottfried Wilhelm Leibniz, der erst neulich durch Gilles Deleuze und Horst Bredekamp in den Zusammenhang mit visueller Kultur gebracht worden ist. Bei ihm diente die Falte als Erkenntnismetapher..." (aus Monika Faber: Das gefaltete Mädchen, in Camera Austria No 103/104, Graz, 2008, S.68)

Caroline Heider,
* 1978 München, Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien Filmakademie, Akademie der Bildenden Künste Wien, Glasgow School of Art, 2008 "Like models" Webster Universität Wien, 2007 "Blickwechsel" Museum Moderner Kunst, Kärnten, 2006 "Erzählungen -35/65+" Kunsthaus Graz, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten

Zurück zur Übersicht