Fotos von Caroline Heider

Caroline Heider © BKA, Bildrecht

Caroline Heider Oh, ein Phänomen!( Lampe 1), 2010, Oh, ein Phänomen! (Lampe 2), 2010, aus der fortlaufenden Serie "Phänomene", Pigmentdruck auf Papier, ge- und entfaltet, je 40 x 30cm, © BKA, Bildrecht

(…)JB: Ich möchte gerne nochmals auf das Prinzip der Faltung zu sprechen kommen. Die Faltung ist überhaupt ein wiederkehrendes Element in deiner Arbeit. Es gibt eine ganze Reihe von Werkserien, bei denen du Fotografien oder gefundenes fotografisches Material reproduzierst und anschließend faltest. Neben Bildern aus Magazinen oder Zeitschriften, die ein bestimmtes Frauenbild vermitteln, sind dies unter anderem auch – wie bei der Serie Oh, ein Phänomen! (seit 2005) – Fotografien stimmungsvoller Licht- und Wolkenformationen. Durch den künstlerischen Eingriff der Faltung werden bestimmte Bildbereiche ausgeblendet, bleiben fragmentiert oder machen den Bildträger – wie im Fall der Phänomene – durch die Verletzung der Bildoberfläche sichtbar. Kann man sagen, dass du diese Bilder durch das Falten dekonstruierst und sie dadurch einer Konsumierbarkeit zu entziehen versuchst?

CH: Das Falten ist immer auch ein performativer Akt und ein einfacher Dimensionswechsel des Materials. Man könnte sagen, dass ich das Falten der Bilder als Nachdenken über die Bilder betreibe. Alles kann konsumiert werden. Ein Entzug ist nicht möglich, außer man produziert nichts. Sogar das Nichts kann Konsumgut werden, wenn wir uns zum Beispiel die vielen Ratgeber zur Meditation oder Weisheiten über Zen für den durchschnittlich gestressten Bewohner des Abendlands ansehen. Ein Knick in einem Foto ist normalerweise ein Grund zum Ausschuss. Ich erhebe den Fehler zum Prinzip, was mir erlaubt, das Unsichtbare am Bild sichtbar zu machen, indem ein Teil des körperlosen Bildes verschwindet. Es ist eine einfache Methode die Aufmerksamkeit aus sonst nicht beachtete Aspekte zu lenken, quasi durch die Ineinanderverschiebung der Abbildung und des Bildträgers. Durch die Faltung ist ein Teil vielleicht nicht mehr sichtbar, dafür ein anderer Teil des Bildes. Im Grunde ist alles vorhanden. (…)

(aus: "Kokolores – Interview mit Caroline Heider von Julia Brennacher" in: Caroline Heider- Kokolores, Galerie im Taxipalais 2013. S.22-23)

Caroline Heider
*1978 in München, UMDK-Filmakademie Wien, Glasgow School of Art, Akademie der bildenden Künste, Wien. Österreichisches Staatsstipendium des BMUKK, Outstanding Artist Award des BMUKK, Philipp Harnoncourt Kunstpreis, 32. Österreichischer Grafikpreis Innsbruck, Kunstpreis der Volksbank Kärnten für Fotografie und Bildende Kunst, Anni und Heinrich Sussmann Stipendium, Theodor Körner Preis. Ihre Arbeiten waren u.a. in der Galerie im Taxispalais, Innsbruck, im Belvedere, Wien, in der Skug Gallery, Ljubljana, dem Forum Stadtpark, Graz, der WerkStadt Graz, und der Galerie Winiarzyk in Wien zu sehen; sie lebt und arbeitet in Wien.

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