Fotos von Sarah Kienpointner

Sarah Kienpointner © BKA

Sarah Kienpointner BAYWATSH - Teilw. Ohne TON, 2011, 3 Teile der 6-teiligen Serie BAYWATSH - Teilw. Ohne TON, C-Prints, je 72 x 100cm, © BKA

Yasmina Haddad über die Arbeit:
"BAYWATSH - Teilw. Ohne TON" ist eine formal strenge Konzeptarbeit, die sich als liebevolle Hommage an eine bestimmte Aera entpuppt und den Laien als Künstler_in entlarvt. Mittels einer archivarisch-dokumentarischen Methodik verweist die Serie auf die Fotografie - ohne sie zu verwenden.

Sarah Kienpointner zeigt Arbeiten, anhand derer nicht nur die Interessen und Schwerpunkte der Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Medium der Fotografie nachvollziehbar werden, sondern vor allem auch jene groben Bedeutungsverschiebungen, denen sich die Fotografie selbst – etwa vor dem Hintergrund unendlich verfügbarer online Bilder – ausgesetzt sieht.
Mit – auch in ihrer Nebentätigkeit der akribischen Arbeit in Bildredaktionen diverser Lifestyle-Magazine – geschultem Instinkt, gelingt es ihr, neuralgische Punkte der Bildproduktion und eben gesteigerter Post-Produktion bloßzulegen. Indem sie z. B. private Familienaufnahmen in Bildbanken (Meine Mutter und Ich, August 1982) mit Fotos aus dem kommerziellen Repertoire jener gleichsetzen ließ, wirft die Künstlerin dringliche Fragen nach Autorenschaft und Wertigkeit der Bilder und dem implodierenden Verhältnis von fotografischer Abbildung des Menschen und damit ursprünglich einhergehendem Identitätsbeweis auf.

In präzise veranschaulichten Transfers von einem Medium zum anderen streicht sie die einst in das Medium gesetzten Hoffnungen, die Verlustigkeit dieser durch mediale Ablöse, der stets drängend nachfolgenden Technik und die daraus resultierenden kulturellen und ökonomischen Kämpfe um Innovation in medialer Zähmung archaischem Sammlungsdranges des Menschen hervor, wie in der ebenfalls in der Ausstellung zu sehenden Arbeit "BAYWATSH - Teilw. Ohne TON" und den darin wirkenden orthografischen Unschärfen in den Beschriftungsgewohnheiten von VHS-Kassetten. Einmal mehr dienen Sarah Kienpointner Humor, Reflexion und mediales Gespür in der Überführung des Menschen als visuell gierigen, aber trotz medialer Überausgestattetheit nur scheinbar omnipotenten Schöpfer seiner gigantischen Bilderwelten.

Durch konzeptuelle Aufführung treten analytische Momente genereller Veränderlichkeit und Brüche im Dreiecksraum zwischen Fotografierten, Fotografie und visuellen Konsumenten auf, um dabei dem Readymade-Status der großteils vorgefunden Bilder bildinterne Formen und zusätzliche Beziehungen zu entlocken. Christian Egger)

Sarah Kienpointner
*1978 in Hall, Studium mit dem Schwerpunkt Fotografie und Kunst im öffentlichen Raum an der Akademie der bildenden Künste Wien, Abschluss mit Auszeichnung und dem Würdigungspreis der Akademie; Stipendium für künstlerische Fotografie Rom des BMUKK. Ihre Arbeiten waren u.a. im Kunstschauraum Gmunden, Biennial of Young Artists: Mediterranea 16, BJCEM, Ancona und der Andechsgalerie Innsbruck zu sehen. Sie lebt und arbeitet in Wien.

www.sarahkienpointner.com

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