Fotos von Martin Walde

Martin Walde © BKA

Martin Walde ground.sphere.fracture, 2014, MUD-Print (UMT) auf Japanpapier, 73 x 106cm, © BKA

Gele können als viskoelastische Fluide beschrieben werden. Die Fluideigenschaften eines Gels liegen somit zwischen der einer idealen Flüssigkeit und der eines idealen Feststoffkörpers . Gele sind Kolloide mit speziellen Eigenschaften.

Die Verwendung von Kolloiden in meinen Arbeiten lässt sich bis Mitte der Achtziger Jahre zurückverfolgen.

In den frühen Arbeiten z. B. Green Gel (1989) wird der ambivalente Gleichgewichtszustand von Flüssig/Fest – Künstlich/Natürlich inszeniert.
Die spezifischen Eigenschaften der Gele werden in späteren Arbeiten differenziert.

So verwendete ich spezifisch eingestellte Gele als Medium um Silikone, die ja selbst zähflüssig sind , zu formen. Dies ermöglichte einen präzisen und spontanen Formungsprozess dieser schwer kontrollierbaren Kunststoffe.

Schon in diesen Arbeiten, z. B. "Tales of PP"; 2006, lässt sich die Findung des Verfahrens und die Produktion kaum von einander trennen, da jede neue Arbeit ein weiteres Experimentieren mit veränderten Bedingungen darstellt.
Ab ca. 2006 experimentiere ich mit technisch modifizierten BioPolymeren. Dabei nutze ich Mischungen von kolloidalen Lösungen.

MudPrint ist eine Transfertechnik die in den letzten Jahren sukzessive von mir entwickelt wurde.

Die Bezeichnung Print ist allerdings irreführend denn MudPrint ist eine Technik in dem digitale wie analoge Medien zu einer Synthese gebracht werden - Fotografie, Archival-print, Zeichnung und Elemente der Malereitechnologie. Die Technik basiert unter anderem auf einer Anzahl verschiedener Kolloide bzw. Bio-Polymere. Die Bezeichnung BIO POLYMER JETTING ist wohl am zutreffendsten.

Die Arbeiten wirken dreidimensional und haben "skulpturale" Ausformung da die hauchdünnen Japanpapiere die Bewegungen der auf das Papier übertragenen Kolloidschichten mitmachen und durch diese geformt werden. Die Oberfläche wird nicht zur glatten Fläche gezwungen, sondern bleibt ungebändigt und ist ein individuelles Abbild der jeweiligen Rezeptur. Die Oberflächen der Arbeiten können über Rezeptur und verfahren gesteuert werden.

Die MudPrints sind das Ergebnis experimenteller Versuchsreihen und künstlerischer Behauptung. Sie synthetisieren in einem ständigen Prozess Erkenntnisse Wissenschaftlicher Forschung, Verfahren der Industrie und künstlerischer Praxis.

Martin Walde
*1957 in Innsbruck, Akademie der bildenden Künste Wien, Preis der Stadt Wien für bildende Kunst, Preis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirol, Monsignore Otto Mauer-Preis. Seine Arbeiten waren u.a. in der Galerie Krinzinger Wien, Kunstraum Dornbirn, Galerie Thoman in Innsbruck, MARTA Herford zu sehen. Er lebt und arbeitet in Wien.

www.martinwalde.at

Zurück zur Übersicht