19.05.2016
Antrittsrede von Bundesminister Thomas Drozda im Nationalrat, 19. Mai 2016

Ich kenne dieses Haus aus meiner früheren Tätigkeit als Berater von Bundeskanzler Vranitzky und von Bundeskanzler Klima, und ich freue mich sehr – und ich fühle mich wirklich ausgezeichnet – hier zu sein in dieser Funktion, und nehme diese Aufgabe mit großer Demut und mit großem Respekt an.

Als mich Christian Kern letzte Woche gefragt hat, ob ich mir die Übernahme dieser Funktionen vorstellen kann, habe ich mir überlegt, was mich dafür qualifiziert und was ich beitragen kann. Das ist, glaube ich, die entscheidende Frage, die man sich stellen sollte. Und aufgrund der Tatsache, dass ich einerseits Politikerfahrung habe in zwei Kabinetten, das Bundeskanzleramt als erstklassiges Haus mit Top-Beamtinnen und -Beamten gut kenne, aber insbesondere in den letzten 15 bis 20 Jahren in Kulturbetrieben Erfahrungen gesammelt habe, habe ich mich entschlossen, dieses Angebot anzunehmen und diesem Ruf zu folgen, und freue mich auch sehr darüber.

Ich bin für die Bereiche Koordinierung zuständig – ich würde das eher als den Teil der Pflicht meiner zukünftigen Aufgaben sehen –, die Kür ist eher die Kunst. In diesem Pflichtteil geht es darum, eine gute Zusammenarbeit in der Regierung zu finden. Und ich glaube auch heute aus der Diskussion mitgenommen zu haben, dass es von allen Seiten Bereitschaft zu dieser guten Zusammenarbeit gibt. Auf der anderen Seite freue ich mich auch sehr über die wohlwollende Aufnahme, die uns von vielen von Ihnen entgegen gekommen ist, und über diese positive Resonanz zu unserer Bestellung. Das gibt mir auch die Hoffnung, dass dieser zweite Teil des Regelwerks, der parlamentarische Teil, uns auch unterstützen wird.
Die Frau Präsidentin des Nationalrats hat mich vorgestern darauf hingewiesen, dass wir es mit einem selbstbewussten Parlament zu tun haben. Ich finde das auch gut und richtig. Ich empfinde auch diese Arbeitsteilung zwischen Legislative und Exekutive gut und wichtig, und freue mich auf die Zusammenarbeit, die über die Ausschüsse Verfassung, Kunst und Kultur, hinausgehen wird. Darüber hinaus freue ich mich auch, einige bekannte Gesichter zu sehen, die mich in meinen unterschiedlichen Funktionen begleitet haben.

Was die Kunst und Kultur betrifft – da muss ich sagen, bin ich jetzt beim Teil der Kür. Es macht mich überaus glücklich, diese Funktion bekleiden zu können. Österreich ist – ich war in den letzten Jahren sehr viel im Ausland – im Ausland in allererster Linie als die Kunst- und Kulturnation bekannt, völlig zu Recht. Es würde den Rahmen jedwedes Statements sprengen, diese Leistungen in der Fülle und in der Gesamtheit, wie sie tagtäglich von den Kulturschaffenden erbracht werden, zu nennen. Ich freue mich sehr über diese Aufgabe.

Diese Aufgabe hat natürlich auch mit Ressourcen zu tun, sie hat mit Finanzen zu tun, sie hat mit Personalentscheidungen zu tun. Auf der anderen Seite hat sie damit zu tun, mit Künstlern im Dialog zu sein, auf Augenhöhe mit ihnen zu diskutieren und sich auch für das zu interessieren, was sie abseits ihrer Kunst zu sagen haben. All das interessiert mich persönlich, all das ist seit geraumer Zeit meine Leidenschaft.

Ich möchte ein Wort noch zur Kultur sagen, weil das damit zu tun hat, wie man miteinander umgeht. Da habe ich über weite Distanzen heute in der Diskussion auch gesehen, dass dieser Umgang sehr in Ordnung ist. Ich muss leider auch feststellen, dass ich auch erlebt habe, wie eine Kollegin, die noch nicht einmal die Möglichkeit hatte, sich zu Wort zu melden, hier angegriffen wurde. Und ich muss sagen, das hat für mich mit Kultur zu tun und ich finde das absolut nicht in Ordnung.

Ich möchte mich nochmals sehr herzlich für dieses Grundvertrauen bedanken, Christian Kern hat das schon angesprochen, die Erwartungshaltung ist riesig. Ich habe hier die Funktion des Bohrens der berühmten dicken Bretter zu übernehmen, das tue ich gerne, dem unterziehe ich mich sehr gerne und hoffe sehr auf Ihre Unterstützung.