10.06.2016
Thomas Drozda: "Ich hatte nie Schwarzgeld im Tresor liegen" (in: "Oberösterreichische Nachrichten")

Der Kulturminister im Interview über die Zukunft des ORF und seine Rolle im Burgtheater-Skandal

Oberösterreichische Nachrichten: Beim Rechnungshof hat man sich geeinigt. Gibt es auch eine Absprache, wer neuer ORF-Chef werden soll?

Thomas Drozda: Null. Keine einzige.

Oberösterreichische Nachrichten: Wie schaut denn der koalitionäre Frieden beim Thema ORF aus?

Thomas Drozda: Der ORF ist das Flaggschiff der Medienlandschaft und es ist eine entscheidende Frage, ob und wie gut er geführt ist. Der amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz macht das seit zehn Jahren – und ich gehe davon aus, dass er das Vertrauen des Großteils der Stiftungsräte, das er bei der letzten Wahl besessen hat, durch seine Arbeit bestätigen wird und erneuern kann.

Oberösterreichische Nachrichten: Was halten Sie von der Idee, das ORF-Gesetz und damit das Konstrukt ORF zu ändern?

Thomas Drozda: Ich sehe das kurzfristig nicht. Der Stiftungsrat bildet, so wie er jetzt zusammengesetzt ist, die Breite und Vielfalt der Republik ab. Und ehrlich gesagt: Ohne Bundes-, Landes- und Parteienvertreter wird man ein Unternehmen, das der öffentlichen Sphäre zugeordnet wird, nicht aufstellen können. Ich durfte dem Stiftungsrat einige Jahre angehören. Und aus meiner Erfahrung ist natürlich eine Diskussion mit 35 Menschen nicht immer einfach. Umgekehrt gibt es dort ja auch Ausschüsse, die vieles vorbereiten und produktiv arbeiten.

Oberösterreichische Nachrichten: Ist es gut, dass der ORF einen Alleingeschäftsführer hat?

Thomas Drozda: Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt, dass das so funktioniert.

Oberösterreichische Nachrichten: Also kein rot-schwarzer Schaukampf auf offener Lichtung?

Thomas Drozda: Ich würde das nicht präferieren, weil ich glaube, es nützt niemandem. Und das ganze Team hat in den letzten Jahren gut funktioniert. Der ORF ist gut aufgestellt. Dass man jetzt größtes Misstrauen in die Führung haben müsste, ist durch die Fakten nicht zu belegen.

Oberösterreichische Nachrichten: Die neun Landesstudios – sollen die weiter bestehen?

Thomas Drozda: Ich halte das für wichtig. Wenn man das Land kennt und den Föderalismus ernst nimmt, ist klar, dass sich das in der Struktur des wichtigsten öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens abbildet. Dort wird gute Arbeit geleistet und die Trimedialität gelebt.

Oberösterreichische Nachrichten: Ihre Vorgänger haben immer wieder eine Reform der Presseförderung ins Auge gefasst. Wollen Sie das noch in dieser Legislaturperiode angehen?

Thomas Drozda: Ich will das auf jeden Fall angehen. Mir ist das auch persönlich ein wichtiges Anliegen, weil ich glaube, dass eine funktionierende Medienlandschaft auch für die Demokratie entscheidend ist. Ich bin Verfechter einer funktionierenden und solide finanzierten Medienlandschaft.

Oberösterreichische Nachrichten: Was heißt: solide finanziert?

Thomas Drozda: Das heißt, nach Qualitätskriterien und einer Reihe von Überlegungen – jedenfalls auf einem höheren Niveau als derzeit.

Oberösterreichische Nachrichten: Gleichzeitig kommt es zu einer Vergabe von Anzeigen in vielfacher Höhe. Könnte das geändert werden? Könnte man aus diesen Mitteln einen allgemeinen Fördertopf speisen?

Thomas Drozda: Da muss man die Beträge in Relation stellen: Das Bundeskanzleramt gibt zweieinhalb Millionen Euro aus, die Bundesregierung 15 Millionen. Ich glaube, dass wir in der Bundesregierung zu einer Koordinierung kommen sollten. Es wäre viel sinnvoller, würde man sagen, es gibt Schwerpunkte der Regierungsarbeit, die man bewirbt. Und man muss darüber nachdenken, das nach überprüfbaren, sachlichen Kriterien zu tun. Nach dem Marktanteil.

Oberösterreichische Nachrichten: Was wären Qualitätskriterien?

Thomas Drozda: Die Ausbildung der Journalisten, das Korrespondentennetz, inhaltliche Beilagen, wie ist das Feuilleton ... Nicht, dass ich ein fertiges Modell hätte.

Oberösterreichische Nachrichten: Könnte eine Mitgliedschaft im Presserat als Voraussetzung für die Förderung festgelegt werden?

Thomas Drozda: Das ist ein Diskussionspunkt, den wir mit dem Koalitionspartner zu führen haben.

Oberösterreichische Nachrichten: Die ehemalige Burgtheater-Geschäftsführerin Silvia Stantejski wirft Ihnen vor, dass Sie von den Vorgängen im Burgtheater mehr gewusst haben als Sie sagen.

Thomas Drozda: Der Rechnungshof hat im Burgtheater jeden Beleg umgedreht und sieht meine Rolle in keiner Weise kritisch. Ich bin weder vom Rechnungshof noch von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Ich habe das Theater mit 15 Millionen Euro Eigenkapital übergeben. Nach meinem Abgang wurden binnen 5 Jahren 25 Millionen Euro vernichtet. Ich hatte nie Schwarzgeld im Tresor liegen. Ich habe dort nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet.

Oberösterreichische Nachrichten: Die Salzburger Festspiele sind das einzige Festival, dessen Finanzierung gesetzlich abgesichert ist. Bleibt das so?

Thomas Drozda: Ich war 18 Jahre in großen Theaterbetrieben und bin aus Erfahrung ein Verfechter einer soliden, langfristigen Finanzierung, von Mehrjahresplänen und von gesetzlichen Grundlagen der Finanzierung. Es spricht alles dafür, dass man ein Gesetz hat und die Finanzierungsgrundlagen sicherstellt.

Oberösterreichische Nachrichten: Werden Sie den Vertrag von Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler noch einmal verlängern?

Thomas Drozda: Die Ausschreibung der Präsidentschaft ist ernst zu nehmen, das Verfahren auch. Aber die Amtsinhaberin hat exzellente Chancen, als Erstgereihte hervorzugehen.

Oberösterreichische Nachrichten: Was ist mit Staatsoperndirektor Dominique Meyer, dessen Vertrag bis 2020 läuft?

Thomas Drozda: Da findet auch eine Ausschreibung statt. Der Amtsinhaber hat immer Chancen, auf etwas zu verweisen. Letztlich geht es um das Konzept für die Zukunft. Da wird es eine Reihe von Kandidaten geben. Es geht darum, wie positioniert man die Staatsoper? Legt man Wert auf das Theatralische oder steht die Musik im Vordergrund? Schließt das eine das andere wirklich aus? Klar ist: Meyer ist selbstverständlich eingeladen, sich zu bewerben.

Oberösterreichische Nachrichten: Sie kommen aus einem Theaterbetrieb. In welchem Verwandtschaftsgrad stehen denn diese beiden Welten miteinander?

Thomas Drozda: Das ist eine gute Frage! Es hat die Politik auch etwas Theatralisches, es geht dort auch um Erzählungen und Erzählform. Und um Darstellung. Aber sehr weitgehend sind die Parallelen nicht. Außer dass die Politik seit der Renaissance immer wieder Vorbild großer theatralischer Erzählungen ist.

Oberösterreichische Nachrichten: Die Festspiele im Sommer – ist das ein Spektakulum für das Establishment?

Thomas Drozda: Nein, das hat mit Kunst zu tun, nicht mit Event.