08.07.2016
Thomas Drozda: "Ich bestreite nicht, dass es hoch ist" (in: "Der Standard")

Dieses Interview fand gemeinsam mit "Kurier", "Horizont", "Dossier" und "Journalist" statt.

Standard: Glauben Sie, dass Alexander Wrabetz am 9. August wieder das Rennen um den ORF-Chef macht? Mit Richard Grasl gibt es einen Gegenkandidaten.

Thomas Drozda: Ich gehe davon aus, dass er die Unterstützung der Mehrheit der Stiftungsräte haben wird. Jemand, der zehn Jahre Erfahrung in dieser Funktion hat, ist hochqualifiziert und hat gute Chancen. Durch seinen guten Ruf bei den Stiftungsräten halte ich das für sehr wahrscheinlich.

Standard: Könnten Sie auch mit Grasl als ORF-General leben?

Drozda: Aus meiner Zeit als ORF-Stiftungsrat kenne ich Richard Grasl gut. Es ist keine Frage, ob man mit jemandem leben kann. Man muss mit jemandem, der diese Funktion hat, gut zusammenarbeiten. Die Antwort ist also: Ja.

Standard: Werden Sie an der ORF-Alleingeschäftsführung rütteln?

Drozda: Nein, weil ich finde, dass sich das Modell bewährt hat. Ich habe selbst ein Unternehmen als Alleingeschäftsführer geführt und finde diese Struktur mit einer klar geregelten Verantwortung besser als eine, bei der sich vier Personen im Abtausch überlegen, wie sie ihre Projekte durchwinken.

Standard: Auch diese ORF-Wahl ist eine politische Wahl. Gibt es Überlegungen, den ORF unabhängiger zu machen?

Drozda: Der Stiftungsrat ist deutlich besser als sein Ruf. Der ORF ist Teil der öffentlichen Sphäre und wird es auch immer bleiben. Eine Eigentümerrolle muss von jenen wahrgenommen werden, die das Unternehmen finanzieren. Der ORF steht gut da, und mit dieser Struktur ist die journalistische Unabhängigkeit sichergestellt.

Standard: Halten Sie am Gebührenmodell fest? Diskutiert wird ja auch eine Haushaltsabgabe.

Drozda: Jedenfalls für die nächsten 18 Monate bis zur nächsten Nationalratswahl. Ich bin kein prinzipieller Gegner der Haushaltsabgabe, es gibt gute Argumente dafür. Dieser komplexen Debatte sollten wir uns dann stellen, wenn es um ein neues Regierungsübereinkommen geht.

Standard: Wie hoch soll die Presseförderung ausfallen? Die Verleger fordern statt neun Millionen Euro über 30 Millionen Euro jährlich.

Drozda: Eine Verdreifachung mit einem Schlag wird nicht möglich sein. Ziel ist eine deutliche Erhöhung, weil das eine entscheidende Frage für die Demokratie ist.

Standard: Die Förderung soll ja entlang von Qualitätskriterien laufen, haben Sie gesagt. Wie?

Drozda: Kriterien sollen etwa die Qualität von Journalismus und die Ausbildung sein. Ich würde lieber Inhalte fördern als die Vertriebsschiene. Im Mittelpunkt soll nicht das Unternehmen sein, das Journalisten beschäftigt, sondern der Content in allen Ausgabeformen.

Standard: Öffentliche Stellen inserieren laut Medientransparenzgesetz um 200 Millionen Euro jährlich. Auch das Inseratenbudget der Regierung ist sehr hoch.

Drozda: Ich bestreite nicht, dass es hoch ist. Richtig wäre, Inseratenbudgets tendenziell zu reduzieren und mit dem Geld etwa eine bessere Presseförderung zu machen. Bei der Regierung reden wir nicht über 200 Millionen Euro für Inserate pro Jahr, sondern über 15 Millionen Euro. Im Kanzleramt sind es 2,5 Millionen Euro. Hier wird strikt nach Reichweiten und Marktanteilen entschieden. Das wäre für die gesamte Regierung sinnvoll. Genauso wie eine Koordinierung, um die großen Aktivitäten zu bewerben.

Für "Der Standard" stellte Oliver Mark die Fragen