Inhalt

Carola Dertnig

Siehe Bildtext nachstehend
Again Audience_extended, 2015 - Farbfotografie, gerahmt, 46,5 x 72,5 cm - Aufgenommen bei der Performance: Museo de Arte Contemporaneo de Castilla, León (16.05.2015). Entwurf Bühnenrad: Peter Kalsberger/Fotograf: Lauren Klocker/Courtesy: Galerie Andreas Huber (Wien) (© Carola Dertnig, BKA)

Again Audience_extended

Carola Dertnig arbeitet in der Performance Again Audience extendend, 2015 ihren ganz persönlichen Index der Performancegeschichte und damit eine Haltung zu Referenzsystemen auf. Immer sind sie subjektiv, unterliegen Vorlieben, Wertschätzungen etc. und fügen sich im besten Fall doch zu einem kleinen Kosmos, an dem man teilhaben kann. Ihren alphabetisch gereihten Almanach aus Begriffen, Floskeln, Referenzen – beispielsweise auf die Suffragetten, Duchamp, den Emma Goldman zugeschriebenen Satz: If I can't dance, I don't want to be part of your revolution, der selbst längst wieder Name einer feministischen, kuratorischen, mobilen Plattform wurde, genauso aber auf das eigene kuratorische Wirken – spricht Dertnig in dem ganz bestimmten Rhythmus des Rap und gibt so ihrer Begriffswolke eine weitere Behauptungsrahmung: jene der Probe, des Versuchens als essentielles Moment der Performance. Probe ist auch das Ankämpfen gegen den Verlust des Politischen; Probe ist Dertnigs konstanter Zustand. (Text: Carola Platzek)

Siehe Bildtext nachstehend
Again Audience/Stage/City Movement, 2012 6 Farbfotografien in Passepartout, gerahmt, 81 x 114 cm © Carola Dertnig, BKA

Die Arbeitertribüne war Teil des von Alexander Rodtschenkos entwickelten Arbeiterclubs, eine Einrichtung, die in der UDSSR der 20er Jahre weit verbreitet war. Die Arbeiterclubs dienten als ideologisches Werkzeug für den politischen Kampf und die Abgrenzung zu bürgerlichen Lebensformen. Sie waren als Orte kultureller Freizeitgestaltung für ArbeiterInnen gedacht, die auf Bildung, Partizipation und eine aktive Auseinandersetzung mit künstlerischen, sozialen und politischen Ideen bauten.

Dertnigs RednerInnenbühne ist im Gegensatz dazu ein frei stehendes und mobiles Element für den Außenraum, das sich zusammenklappen lässt. Rodtschenkos Arbeitertribüne wurde von Dertnig für den alltäglichen Gebrauch umentworfen. Der Scherenzaun bestimmt durch seine ausziehbare Größe die räumliche Präsenz der Performance. Ergänzt wird die Arbeit durch Fotografien einer Person, die dabei ist, die Bühne aufzustellen und zu benützen. Der "alltägliche Gebrauch" dieses Objekts, von dem die Künstlerin spricht, meint die Überführung performativer und politischer Praktiken in den Alltag. (Aus dem Pressetext Galerie Andreas Huber)

Carola Dertnig
*Innsbruck, lebt und arbeitet in Wien. 1990 Ecolé de Beaux Art, Paris. 1992 Diplom an der Hochschule für angewandte Kunst. Seit 2006 leitet sie den Fachbereich Performative Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien und war 2008 als Gastprofessorin an der CAL ARTS in Los Angeles tätig. 2006 erschien das Buch "Let's twist again. If you can't think it, dance it", 2014 die Publikation, "Performing the Sentence Views on Research and Teaching in Performance Art". Jüngst waren ihre Arbeiten unter anderem unter den Titeln Now, At The Latest. (Kunsthalle Krems/ AT 2015), Blühendes Gift (MUMOK2015), TANZ ES (Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal-Unteröwisheim/ DE 2016) und DIE 70ER - DAMALS WAR ZUKUNFT (Schallaburg/ AT 2016) zu sehen.

Website: www.caroladertnig.at