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Ines Lechleitner

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Ironing Gesture 2016, Analoges schwarz-weiß Diapositiv für Einzelprojektion mit Fine Art Print Kleinbild-Diapositiv (24 x 36 mm), Fotografie (16,5 x 22cm), Projektionsgröße: 90 x 115 cm (© Ines Lechleitner, BKA)

'Anonymous Photograph', Teil der Installation 'Ironing Gesture', 2016. Die Arbeit Ironing Gesture entstand im Rahmen der Ausstellung 'Walverwandtschaft', deren Ausgangspunkt das Buch Le Savon des französischen Dichters Francis Ponge war. Als neue Interpretation der gefundenen Vintage Fotografie Anonymous Photograph aus Frankreich (vermutlich 30er-Jahre), antwortet die Projektion auf Elemente der dafür entwickelten Installation Zitronen-Wal-Seife. Die mexikanische Künstlerin Claudia de la Torre fungiert in beiden Arbeiten als Model. Während in Zitronen-Wal-Seife ihre Hände die Transformation von Zitrone zu Wal-form zu Seife vollziehen, bleiben sie in Ironing Gesture leer. Eine seit jeher von Frauen durchgeführte Tätigkeit wird hier zur nachdenklichen Pose entfremdet.

Als bildende Künstlerin greift Ines Lechleitner in ihren Installationen, Performances und Kunstbüchern zurück auf verschiedene Medien wie Fotografie, Ton- und Videoaufnahmen sowie Zeichnungen, Skulpturen und Duft. Einen fundamentalen Aspekt in ihrer künstlerischen Arbeitspraxis stellt der dialogische Austausch mit anderen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen dar. (Text: Ines Lechleitner)

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Poem to be sung: Figure two d, 2012; Poem to be sung: Figure three a, 2012 Silbergelatine Prints aus der Installation Poem to be sung- an ode to Sol Lewitt and two wooden sculptures, je 46,5 x 56,5cm © Ines Lechleitner, BKA

Poem to be sung bezog sich auf Sol LeWitts zeitgleiche Ausstellung 'Colors' im M_Museum und auf zwei hölzerne Skulpturen der Sammlung des M_Museums: 'Christus umgeben von sechs Figuren' (ca. 1500-1525) und 'Madonna mit Kind' (ca. 1700). Die ortsspezifische Installation kann als Allegorie der verschiedenen kunstgeschichtlichen Perioden gelesen werden, die miteinander in einen Dialog treten. Die vier Fotografien Figures kombinieren jeweils eine Geste einer der Holzfiguren mit einer geometrischen Form aus LeWitts Basisvokabular.

Was meine Aufmerksamkeit auf die Handgesten dieser Holzfiguren lenkte war die Frage, wie Körper, Auge und Gehirn eine bestimmte Geste in Bezug auf einen Gegenstand wahrnehmen und untereinander kommunizieren können. Die Handhabung symbolischer Gegenstände wird in der jeweiligen Ikonografie der Zeit dargestellt. Diese Ikonografie ist aber heute anders lesbar als zur Zeit seiner Herstellung und wird vom Betrachter immer neu interpretiert und verstanden. In Poem to be sung eigne ich mir diese Handgesten mit den geometrischen Referenzobjekten neu an. LeWitts visuelle Grammatik interessiert mich auch im Kontext meiner Recherchen zu Systemen non-verbaler Kommunikation und dieser Bezug war Ausgangspunkt für die Hommage an sein Werk.

Ines Lechleitner
*1978, Wien; lebt und arbeitet in Berlin. 2007-2008 Jan Van Eyck Academie, Maastricht; 1998- 2003 Ecole supérieure des beaux-arts de Paris; 2001 Nova Scotia College of Art & Design (NSCAD) in Halifax (Kanada); 1997 San Francisco Art Institute. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen: Animal Lovers, NGbK, (Berlin 2016), Das Rhein Rauschen Villa Renata (Basel 2016), Walverwandtschaft, Wiener Art Foundation / galerie kunstbüro (Wien 2016); I have always imagined that paradise would be some kind of library, Hamburger Bahnhof,( Berlin 2015); PER/FORM, CA2MCentro de Arte Dos de Mayo, (Madrid 2014).

Website: ineslechleitner.com