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Karina Nimmerfall

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Indirect Interviews With Women, 3 Arbeiten aus der Serie: INDIRECT INTERVIEWS WITH WOMEN, 2016 (F 35 D. Iverson Road; F 45 B. Streatham; F 30 B. York Rise), Je 2 Inkjet Prints auf Archivpapier, gerahmt, Bildmaße: 42,5 x 29,7 cm, Rahmenmaße: 49,5 x 37 x 2 cm (© Karina Nimmerfall, BKA)

Ausgehend von historischen Aufzeichnungen des interdisziplinären, britischen Sozialforschungsprojekts Mass Observation von 1937 – eine Bewegung, die auf den Umstand reagierte, dass das Alltagsleben durchschnittlicher Bürger*innen weder in den Medien noch im politischen System Großbritanniens repräsentiert war – beschäftigt sich die Serie mit einer Auswahl an Interviews mit Frauen und deren Verhältnis zu wohnen, Raum, Familie und Politik im Jahre 1941, kurz nachdem die Luftangriffe der deutschen Wehrmacht große Teile Londons zerstört hatten. Dazu wurden die originalen Interviews digital transkribiert, nachträgliche Bearbeitung samt Kommentaren, Quellen und Notizen sichtbar gemacht und mit aktuellen Fotografien der damals untersuchten Wohngegenden kombiniert. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den heute noch sichtbaren Auswirkungen auf die urbane Geografie der Stadt öffnet den Blick auf die Trialektik des Raums: Die aktuellen Orte mit ihren baulichen Strukturen; das Archiv mit seinen gesammelten und katalogisierten Dokumenten und den imaginierten Raum bestimmter kultureller, ideologischer und politischer Vorstellungen und Visionen.

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Index of Livability (Progressive Builders Homes), 2011 3 Foto-Text-Bilder, 76 x 39 cm © Karina Nimmerfall, BKA

Komplette Serie (PDF, 2498 KB)

Karina Nimmerfall recherchierte über soziale Wohnbauprojekte des Architekten Richard Neutra in Los Angeles in den 1940er Jahren. Sie fotografierte sechs Orte in Los Angeles, an denen Neutras soziale Wohnprojekte geplant waren, weggerissen oder bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden. "Index of Livability" beschreibt an Hand dieser von Neutra geplanten Wohnbauprojekte die Auswirkungen des politischen Wandels auf städtebauliche Transformationsprozesse: von einer politisch linksorientierten utopischen Idee der Moderne über die "Rote Gefahr" der McCarthy-Ära und die Politik des Kalten Krieges hin zu einem "Corporate Modernism" der politisch Rechten und deren Glaube, dass Sozialwohnungen unamerikanisch sind. Informationen zu den verschiedenen Erscheinungsformen der einzelnen Wohnprojekte in den vergangenen Dekaden, in denen jede ihre eigene Vision von einem besseren Leben darstellt, sind den Fotografien beigefügt.

Karina Nimmerfall
*1971 in Deggendort; studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Sie war Visiting Artist-in-Residence am Valand Artistic Research Center der Universität Göteborg (2012) und Art Center College of Design in Pasadena (2010-2011). 2009 erhielt sie ein österreichisches Staatstipendium für bildende Kunst des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Stipendienaufenthalte u. a. an der Cité Internationale des Arts in Paris (2007) und am MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles (2002). Ihre Arbeiten wurden international in Ausstellungen gezeigt, unter anderem MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles (2016); Kunstpavillion, Innsbruck (2015); Kunsthaus Graz (2012); Kunsthalle Mainz (2011); BAWAG Contemporary, Wien; Kasseler Kunstverein (2009); Göteborgs Konsthall; Bukarest Biennale 3 (2008); (2008); Landesgalerie Linz; Camera Austria, Graz (2007) und 8. Havanna Biennale (2003).