Projekt "Platform Austria" von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer gewinnt erste Ausschreibung

17. Internationale Architekturausstellung La Biennale die Venezia 2020

Die Biennale in Venedig
- Eine wichtige Plattform für die österreichische Kunst- und Architekturszene

Aufgrund ihrer internationalen Bedeutung ist die Biennale in Venedig eines der renommiertesten Foren der Kunst- und Architekturszene. Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich ist sie somit eine der wichtigsten Plattformen, um ihre Arbeit mehr als 500 000 Besucherinnen und Besuchern (durchschnittlich pro Jahr) als auch unzähligen Fachexpertinnen und Fachexperten aus aller Welt zu präsentieren.

"Die Biennale in Venedig ist eines der renommiertesten Foren der Kunst- und Architekturszene. Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich ist sie somit eine der wichtigsten internationalen Plattformen und Chance. Es ist mir ein persönliches Anliegen, den Auswahlprozess für die Kuratorin beziehungsweise den Kurator möglichst offen zu halten." Gernot Blümel

Die Ausstellungen im Österreichischen Pavillon sind daher von großer Relevanz, um einen Überblick über Österreichs zeitgenössische äußerst lebendige Kunst- und Architekturszene zu bieten und tragen seit Jahrzehnten entscheidend zum aktuellen Diskurs und zur kulturellen Entwicklung bei.

Die Auswahl der Kuratorin beziehungsweise des Kurators ist daher von essenzieller Bedeutung, insbesondere angesichts der Chancen, die eine Teilnahme an der Biennale bietet. Daher haben wir den Auswahlprozess gemäß international anerkannter Standards neu aufgestellt. Für die Architekturbiennale in Venedig 2020 kam das neue Auswahlverfahren erstmals zum Einsatz.

Das neue Auswahlverfahren
- Orientierung an internationalen Standards

Für die 17. Internationale Architekturausstellung der Biennale Venedig 2020 hat das Bundeskanzleramt das kuratorische Konzept für die Realisierung des Österreichbeitrags im österreichischen Pavillon erstmals ausgeschrieben.

Die Ausschreibung "Projektwettbewerb für Konzept und Realisierung des österreichischen Beitrags zur 17. Internationalen Architekturausstellung La Biennale di Venezia 2020" lief von 1. Dezember 2018 bis 1. Februar 2019.

"Die Resonanz auf das neue Auswahlverfahren war sehr gut. Wir konnten aus 39 Projekten wählen, die ein großes Spektrum an Zugängen und Themen abdeckten. Unsere Wahl fiel auf ein Projekt zu einem architekturtheoretisch wie gesellschaftspolitisch brisanten Thema - den Plattform-Urbanismus, der die Gestalt unserer Städte in Zukunft wesentlich mitbestimmen könnte. Die Konzeption des Pavillons sieht eine Kombination aus Information und Visualisierung und einem räumlichen Setting vor, dass die scheinbare Unausweichlichkeit dieses Phänomens deutlich macht und zur kritischen Reflexion anregt."
Verena Konrad

Alle gültigen eingereichten Konzepte wurden von einer Jury, bestehend aus nationalen und internationalen Expertinnen und Experten, gesichtet.

Die Jury für die Sichtung und Bewertung der Einreichungen für die "17. Internationale Architekturausstellung La Biennale die Venezia 2020" setzte sich aus folgenden, hochrenommierten Expertinnen und Experten zusammen (in alphabetischer Reihenfolge): Matthias Boeckl, Ernst J. Fuchs, Verena Konrad und Andreas Ruby.

Die Auswahl des Siegerprojektes gestaltete sich im Überblick wie folgt:

  1. Die Jury erstellte aus allen gültigen Einreichungen eine Longlist. Alle Longlist-Nominierten wurden von der Jury zu einem persönlichen Hearing eingeladen. Im Anschluss an die Hearings erstellte die Jury eine Shortlist der favorisierten 3 Konzepte.In einer gemeinsamen Sitzung mit Bundesminister Gernot Blümel und der Jury wurde das Siegerprojekt "Platform Austria" von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer ausgewählt.

 "'Platform Austria' versucht kritisch das 'Medium Plattform' als 'bauende Maschine im 21. Jahrhundert' zu thematisieren und startet das Experiment, ein dynamisches Ausstellungsformat zu schaffen. Dieses Projekt entzieht sich konsequent der Szenografie eines üblichen Ausstellungsparcours und provoziert den Anspruch, dass jede einzelne Person Teil der Ausstellung/Plattform ist. Die Ausstellungsgestaltung/Hardware, ein Space-Frame, dient der räumlichen Strukturierung des Ausstellungsraumes und erzeugt durch die Bauweise im Selbstbau einen provisorischen Charakter passend zu Thematik und temporärer Inszenierung im Rahmen der Biennale."
Ernst J. Fuchs

Dieser Prozess wird ab sofort bei allen Auswahlverfahren hinsichtlich der Kuratorin beziehungsweise des Kurators des österreichischen Beitrags auf der Biennale in Venedig angewandt, Kunst ebenso wie Architektur. Die Jury wird für jedes Auswahlverfahren neu zusammengesetzt (Mehrfachbeteiligungen Einzelner sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen). Die Jury für die Kunstbiennale 2021 wird im Laufe diesen Jahres 2019 vorgestellt.

"Platform Austria"
- Das Siegerprojekt von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer

  1. Digitale Plattformen werden immer wichtiger und dringen immer stärker in alle Bereiche unseres Lebens ein – auch in die immer drängendere Frage der zukünftigen Gestalt unserer Wohn- und Lebensräume.Welche Art von Zugehörigkeit ist hier im Entstehen?Welcher Art sind die Regelungen, Rechte und Pflichten dieser neuen Form von Gemeinschaft? Welche neuen Aspekte von Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Politik leiten sich daraus ab?

"Platform Austria", das von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer (Centre for Global Architecture) eingereichte Siegerprojekt stellt genau diese Fragen – und noch viel mehr. Sie thematisieren den Aufstieg digitaler Plattformen wie Facebook, Google und anderen, die durch gesammelte Daten in neue Geschäftsbereiche eindringen und beginnen, ganze Stadtteile zu bauen. Dass Investoren öffentlichen Raum besetzen, ist ein hochrelevantes, junges Thema, das weltweit gilt; es macht deutlich, um welche Herausforderungen es heute bei der Demokratisierung des Raumes geht.

"Digitale Plattformen wie Facebook, Uber, AirBnB oder Amazon stellen nicht nur neue Unternehmensformen dar, sondern eine komplett neu geschaffene Lebenskultur – von den Produkten, mit denen wir täglich hantieren und den Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen, bis hin zu ganzen Stadtvierteln, die von großen Plattformunternehmen wie etwa Google in den nächsten Jahren errichtet werden. Angesichts dieser Veränderungen stellen sich wichtige gesellschaftliche Fragen zu den Potenzialen und Risiken der Architektur dieser allumfassenden Ökosysteme."
Peter Mörtenböck

"Platform Austria" basiert auf den Forschungen von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer, 2 österreichischen Wissenschaftern, die für die Gestaltung des österreichischen Pavillons auf der Architekturbiennale 2020 mit dem Team von mostlikely sudden workshop zusammenarbeiten. So wird der österreichische Pavillon in den Giardini selbst zu einer Plattform, durch die ein aktiver Diskurs stattfindet – über die Potentiale der Zukunft und deren Architektur.

Der Aufstieg von "Plattformen" zur bestimmenden Form von sozialer und wirtschaftlicher Interaktion im 21. Jahrhundert ist nicht alleine eine Frage des technischen Fortschritts. Während wir uns langsam daran gewöhnen, dass die Betreiber von digitalen Plattformen auf den internationalen Finanzmärkten Rekorde brechen, sind diese bereits damit beschäftigt, alte Ordnungen auch in vielen anderen Bereichen aufzuheben: in der Politik, im Bildungs- und Gesundheitswesen, aber auch in der Gestaltung neuer Raumwelten und im Bauen völlig neu organisierter Städte.

"'Platform Urbanism' beschreibt die Ausbreitung bahnbrechender Technologien auf den Stadtraum. Getragen werden diese Veränderungen aber nicht von Technologie alleine, sondern im Zusammenspiel von technologischer Innovation mit sozialen und kulturellen Wünschen. Auffällig ist dabei die Deckung von Werbeslogans heutiger Plattformen mit den Forderungen gegenkultureller Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre. Hier scheint es eine Verbindung zu geben, der wir mit unserem kuratorischen Programm für den österreichischen Pavillon nachgehen möchten."
Helge Mooshammer

Das Ausstellungskonzept "Platform Austria" greift zur kritischen Reflexion dieses aufkommenden Plattform-Urbanismus 2 bestimmende Aspekte auf, die als kuratorische Leitfäden für die Bespielung der Räume des österreichischen Pavillons der 17. Internationalen Architekturausstellung der Biennale Venedig 2020 dienen:

  1. Die Leitrolle von "conversation": Die Möglichkeit aktiv und kontinuierlich mit unzähligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer "im Gespräch" zu sein, ist die Lebensader von Plattform-Ökonomien. Diese ununterbrochene Verbindung bietet die Garantie, Veränderung immer und überall sofort aufnehmen und flexibel darauf reagieren zu können. Das Versprechen von "future potential": Aufbauend auf der Ressource des andauernden Gesprächs bieten Plattformen als wichtigstes Kapital das Versprechen an, die geeignete Struktur für den Zugriff auf zukünftige Potenziale zu sein.

Zur Reflektion und Debatte über die angeführten gesellschaftlichen Veränderungen verwandelt die Ausstellung "Platform Austria" die Haupträume des österreichischen Pavillons in einen Konversationsraum über die Potenziale der Zukunft und deren Architektur – und wird somit selbst zu einer über die gesamte Ausstellungsdauer laufenden Plattform.

In wöchentlicher Abfolge werden Stimmen aus der ganzen Welt eingeladen, im Rahmen einer jeweils 6-tägigen "residency" im Hauptpavillon West unter dem Titel "We Like" live ihre Ansichten zu Zukunftspotentialen in Architektur und Städtebau zu bloggen. Im Hauptpavillon Ost läuft parallel dazu eine Instagram-ähnliche Projektion mit Bildbeiträgen aller eingeladenen Gesprächsgäste zum Diskussionsthema "We Like".

Die Seitenpavillons werden für eine ergänzende Ausstellung zu weltweiten Beispielen des Plattform-Urbanismus genützt, die sich auf Forschungsergebnisse des Centre for Global Architecture stützen. Die Hauptpavillons und der rückwärtige Hof werden als omnipräsente Treffpunktmöglichkeiten möbliert. So bietet der Pavillon den Besucherinnen und Besuchern eine willkommene Verschnaufpause und setzt sie gleichzeitig der Diskussion aus – das Ausstellungsdesign greift also die für die Architektur des Plattform-Urbanismus typische Kombination von Arbeit und Vergnügen auf.

"Platform Austria" ist ein experimentelles Format, das es bisher noch nicht gegeben hat. Es ist die kritische Analyse eines jungen Teams mit überwältigenden wissenschaftlichen Kompetenzen, das in einer globalisierten Welt eines der wichtigsten Themen unserer Zeit aufgreift.

"Das Projekt "Platform Austria" von Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer ist neu, experimentell und greift eines der wichtigsten Themen unserer Zeit auf. Es wird den Architekturdiskurs befeuern – und trifft damit die Essenz des Biennale-Gedankens."
Bundesminister Gernot Blümel